Jahrhundertealte Stadtmauer in Wertheim eingestürzt – Lauter Knall schreckte Anwohner auf

Hilfeleistungen Main-Tauber-Kreis Sucheinsätze

Wertheim. Ein lauter Knall schreckte die Anwohner der Wertheimer Altstadt am Dienstag, den 17.12.2019, aus dem Schlaf. Schuld daran war eine jahrhundertealte Stadtmauer, die kurz nach 06.00 Uhr in der früh auf einer Fläche von rund 40 Quadratmeter eingestürzt war. Personenschaden gab es glücklicherweise keinen zu beziffern. Einsatzkräfte wurden teils erst nach 1 bis 3 Stunden, nach dem der Vorfall geschah, hinzugezogen. Erst vor kurzem, vor dem Vorfall, wurden die Sandsteinmauer von einem Gutachter untersucht. Eine Gefahr bestand laut dessen Gutachten keineswegs. Durch den jetzigen Zusammenfall untersuchten Statiker und Geologen die Unglücksstelle. Eine Entwarnung gibt es bereits, dennoch bleibt die Unglücksstelle bis auf weiteres voll gesperrt.

Rund 40 Quadratmeter Sandsteinmauer stürzte ohne Vorwarnung ein – Keine Verletzten

„Wir waren alle überrascht und geschockt“ , so der Wertheimer Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez, der in einem später anberaumten Pressegespräch die Gefühlslage vieler Wertheimerinnen und Wertheimer in diesem Satz zusammenfasste. Stunden zuvor, kurz nach sechs Uhr am Morgen, war in der Wertheimer Altstadt, in der Pfarrgasse hinter der Stiftskirche auf einer Länge von etwa zehn Metern und einer Höhe von acht Metern eine Sandsteinmauer eingestürzt. Die Sandsteinmauer gehört zur – für Wertheim bekannten – „Wertheimer Burg“, die vor rund 887 Jahren nach und nach entstanden war. Die wichtigste Nachricht nach dem ersten Schrecken: „Es ist nach dem derzeitigen Erkenntnisstand niemand zu Schaden gekommen“, zeigte sich nicht nur der Oberbürgermeister erleichtert, sondern auch Hauseigentümer Christian Freudenberger.

„Sicherheit und Sorgfalt stehen an erster Stelle“ – Verbindungsweg bleibt bis auf Weiteres gesperrt

Dieser sei, so Herrera Torrez, vor allem der Leidtragende des Unglücks. Eine Beseitigung des Schadens sei „unser gemeinsames Interesse“, da entlang der eingestürzten Mauer ein wichtiger Verbindungsweg unter anderem als Zugang zur Tiefgarage Altstadt verläuft. Der Weg ist jetzt gesperrt und wird es eine Weile bleiben, da die „Sicherheit und Sorgfalt an erster Stelle steht“. Der Oberbürgermeister dankte allen Einsatzkräften für die gezeigte Teamleistung. Neben der Freiwilligen Feuerwehr und des Polizeireviers Wertheim, waren die Rettungshundestaffel des Deutschen-Roten-Kreuz Bad Mergentheim, sowie die DLRG vor Ort, um nach eventuell Verschütteten zu suchen. „Sie haben zum Glück nicht angeschlagen.“, sprach Oberbürgermeister Torrez erleichtert die Worte aus.

Einsatzkräfte zwischen 1 bis 3 Stunden nach Vorfall alarmiert – Rettungshunde suchten nach Menschen

Gemeldet worden sei der Mauereinsturz von einer Bewohnerin des ehemaligen Stiftspfarrhauses, informierte Stadtbrandmeister Ludwig Lermann. Außerdem habe man den Städtischen Bauhof und die Stadtwerke – wegen möglicherweise dort verlaufender Gasleitungen – benachrichtigt. So erfolgte für die örtliche Freiwillige Feuerwehr die Alarmierung erst um 07.03 Uhr. Im weiteren Verlauf kam ebenfalls die örtliche DLRG mit einem Suchhund zum Einsatz. Banges Warten hieß es dennoch für weitere Rettungshundestaffeln aus dem Landkreis. Einige Stunden später zog man mit einer Alarmierung die Rettungshundestaffel des Deutschen-Roten-Kreuz Bad Mergentheim über die Integrierte Leitstelle Main-Tauber hinzu. Zu dem Einsatz kam bei dem DRK ein speziell ausgebildeter „Trümmersuchhund“, der auf den Namen „Samba“ hört und rasch seine Arbeit verrichtete. Glücklicherweise fanden die Rettungshunde beider Hilfsorganisationen keine verschüttete Person unter den Trümmern.

Sandsteinmauer wurde erst kürzlich von Gutachter untersucht – Ergebnis: Keine akute Gefährdungslage

Er müsse das Ganze jetzt erst einmal sacken lassen, erklärte Hauseigentümer Christian Freudenberger, der sich gleichermaßen „schockiert wie erleichtert“ zeigte. Schockiert deshalb, da er erst kürzlich die Mauer hatte untersuchen lassen und eine Sanierung in die Wege geleitet hatte. Eine akute Gefährdungslage, die eine Sperrung des Bereichs erfordert hätte, war von dem Gutachter nicht festgestellt worden. Erleichtert war Freudenberger vor allem darüber, dass offensichtlich keine Menschen zu Schaden kamen. Die fünf Bewohner konnten nach der Freigabe durch einen Statiker wieder in das Haus zurückkehren. Noch in dieser Woche wolle man versuchen, zumindest eine Durchfahrt durch die Pfarrgasse zu ermöglichen, kündigte er an. Weitere Maßnahmen dürften wenngleich bis in das neue Jahr andauern. Mit einem Geologen, der ebenfalls vor Ort war, wurden bereits erste Lösungsansätze für eine Sicherung des Hangs und eine Sanierung der Sandsteinmauer besprochen.

Geologe beauftragt – Weitere Untersuchungen an benachbarten Mauerbereich veranlasst

„Man habe diesen Geologen beauftragt, bei seinen Untersuchungen ebenfalls die benachbarten Mauerbereiche, die sich in städtischem Eigentum befinden, aufgrund der aktuellen Ereignisse genauer unter die Lupe zu nehmen“, sagte der Leiter des Baudezernates, Armin Dattler. „Kommunale“ Mauern und Brücken werden in regelmäßigen Abständen und nach gesetzlichen Vorgaben engmaschig überprüft. Dattler wies darauf hin, dass vor weiteren Maßnahmen zur Sanierung Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege stattfinden müssen. Dort wolle man sich ebenso bemühen, Aussagen hinsichtlich einer möglichen Förderung zu erhalten.

Einsturzursache weiterhin unklar – Ermittlungen laufen – Eindringlicher Appell an Passanten

Zur Ursache des Mauereinsturzes, den Dattler einen „relativ außergewöhnlichen Fall“ nannte, wollten und konnten die Teilnehmer des Pressegesprächs zu dem frühen Zeitpunkt keine spekulativen Angaben machen. Erster Polizeihauptkommissar Mathias Jeßberger, Leiter des Polizeireviers Wertheim, unterstrich allerdings, dass man Fremdverschulden oder gar Straftatbestände sehr schnell habe ausschließen können. Da die Gefahr nicht endgültig gebannt sei, appellierte Jeßberger eindringlich an alle Passanten, „Absperrungen zu akzeptieren und zu respektieren“. Oberbürgermeister Herrera Torrez bekräftigte in dem Zusammenhang, dass der Bereich um die eingestürzte Mauer so lange weiträumig abgesperrt bleibe, bis Gutachter ihn für weitere Arbeiten wieder freigeben. „Sicherheit und Gründlichkeit gehen hier vor Schnelligkeit“.


Foto: Stadtverwaltung Wertheim am Main
Foto: H. Usky