Keine Angst vor Hornissen – Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis sorgt für den Schutz der Tiere

Neckar-Odenwald-Kreis

Neckar-Odenwald-Kreis. Für den derzeit viel diskutierten Schutz von nützlichen Insekten sind beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises die Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt-Technik und Naturschutz zuständig. Und diese weisen aufgrund der jetzt angekündigten hohen Temperaturen auf den besonderen Schutz der heimischen Wespenarten hin, zu denen auch die Hornisse zählt.

Angst vor Hornissen? – Das Landratsamt sagt »Eigentlich zu Unrecht«

Vor allem das Vorkommen von eben diesen Hornissen hat in den letzten Jahren immer wieder zu Anfragen beim Landratsamt geführt. Diese sind in der Dämmerung aktiv und fliegen, angelockt durch Licht, oft in Wohnungen. Vielen Menschen flößt das Angst ein. »Eigentlich zu Unrecht. Die Hornisse ist nämlich nicht angriffslustig und weicht dem Menschen eher aus«, sagt Georg Pilgram, zuständiger Fachdienstleiter beim Landratsamt. Die Deutsche und die Gemeine Wespe kommen dem Menschen hingegen häufig auf der Suche nach Nahrung näher. Sie legen ihre Nester zudem in dunklen Hohlräumen an, beispielsweise in Rollladenkästen, unter Dachziegeln, auf dem Dachboden oder in Gartenhäuschen. Es gibt unter anderem viele andere Wespenarten, die ihr Nest im Freien, oft unter Dachvorsprüngen, bauen. »Diese frei nistenden Arten werden den Menschen meist nicht lästig und hinterlassen in der Regel keine Schäden. Und sie sollten unbedingt geschont werden, zumal die Anzahl der Insekten in diesen Völkern recht klein bleibt«, erklärt Pilgram.

Landratsam versucht vermeintliche Volksweisheiten über die Gefährlichkeit der Tiere zu entkräften

Dabei sei es schwierig, vermeintliche Volksweisheiten über die Gefährlichkeit der Tiere zu entkräften, stellt Pilgram fest. »Der Stich ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene. Gesunde Menschen, ebenso Kinder, sind weder durch  Wespen- noch durch Bienenstiche lebensbedrohlich gefährdet. In Ausnahmefällen reagieren Menschen allergisch gegen die Stiche. In so einem Fall ist unverzüglich notärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen«, pflichtet ihm Ärztin Eddy Yamile Ruiz vom Gesundheitsamt des Landkreises bei. Manchmal würden sogar Wildbienen oder Hummeln als Bedrohung empfunden. Sie zeichnen sich jedoch, außer bei einer bestehenden Allergie, durch ihre Harmlosigkeit und Friedfertigkeit dem Menschen gegenüber aus.

Ökologische Funktion der Wespe

Dick unterstrichen wird hingegen die ökologische Funktion der Wespen, die zur Ausgewogenheit unseres Naturhaushaltes beitragen. Wespen sind Insektenjäger, die große Mengen an Blattläusen und Baumschädlingen vertilgen. Wespenlarven werden ausschließlich mit proteinreichen Insekten versorgt. Ein großes Wespenvolk verfüttert täglich in etwa so viele Insekten wie eine Meisenfamilie. Nur die ausgewachsenen Fluginsekten benötigen eine kohlenhydratreichere Nahrung, weshalb sie von süßen Speisen oder Getränken angelockt werden.

Tierarte durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt

Daher sind die Tiere durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt und dürfen nicht ohne Weiteres gefangen oder getötet, ihre Wohnstätten nicht beschädigt oder zerstört werden. „Dies gilt insbesondere für die Hornisse. Es ist verboten, ihr nachzustellen, sie zu fangen oder zu töten“, so Pilgram. In Härtefällen könne die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes jedoch eine Ausnahme oder Befreiung erteilen.

Wespenvolk lebt mehrere Monate bevor es stirbt

Wenn Wespen einmal da sind, lässt sich mit ein wenig Umsicht die kurze Zeit mit den Tieren überbrücken. Fliegengitter vor den Fenstern verhindern das Einfliegen in Wohnungen, eine Stellwand kann die Ein- und Ausflugschneise günstig verändern, zumal Wespen- und Hornissenvölker einen Sommer lang Bestand haben. Nachdem Anfang Mai eine Königin einen geeigneten Nistplatz gefunden hat, entwickelt sich das Volk innerhalb der folgenden Wochen bis zum Maximum im August und September. Im Herbst stirbt das Volk bereits wieder ab. Das Nest wird im folgenden Jahr nicht wiederverwendet. Begattete Jungköniginnen überwintern an einem geschützten Ort und suchen sich im folgenden Jahr einen neuen Nistplatz.

Landratsamt ruft zur Toleranz auf

Damit die Zahl der Nützlinge nicht zusätzlich weiter zurückgeht, ruft Fachdienstleiter Pilgram zu Toleranz auf. »Und wir merken schon, dass die Diskussion über das Insektensterben den Blick auf die Tiere inzwischen zum Positiven verändert«, so Pilgram. Sollte es dennoch massive Probleme geben, stünden seine Mitarbeiter bei Fragen zur Verfügung.


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