Wespenallergiker – und keiner glaubt’s – Lebensgefahr bei Wespenstichen

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Main-Tauber-Kreis. Des einen Freund, des anderen Lebensgefahr. Wespenstiche. Wenn Wespenallergiker nicht ernstgenommen und fatalerweise als Simulant dargestellt werden. Wie sehen lebensbedrohliche Reaktionen auf Wespenstiche aus? Welches Verhalten als Betroffener oder Helfer ist bei einer schweren allergischen Reaktion richtig? Wie wende ich die Adrenalin-Fertigspritze richtig an? Was beinhaltet das Anaphylaxie-Notfallset?

Wenn Wespenallergiker nicht ernst genommen werden

Wie in vielen Allergie-Bereichen, so auch in der Insektenwelt, werden zunehmend weniger Wespenallergiker ernst genommen. Das Umfeld hält Beschwerden oft für übertrieben. Auch im zwischenmenschlichen Bereich bereitet die starke Allergie Probleme. Oft sind es Verwandte, Freunde und Kollegen, die das Leiden ihres Partners nicht ernst nehmen und die Allergie nach Einschätzung der Betroffenen als wenig oder gar nicht schlimm ansehen. Abwertende Sprüche wie: »Tue doch nicht so«, »Mach halt ein Fliegennetz an die Fenster« oder »Stell halt eine Zuckerwasserschüssel auf den Tisch, damit sich die Viecher da bedienen können« sind dabei an der Tagesordnung. Was diese bei den Betroffenen seelisch und psychisch anrichten können, vergessen viele. Warum das so ist, bleibt für viele Betroffene die Fragen aller Fragen.

Das Gefühl zu ersticken ist kein schönes Erlebnis, wie uns Betroffene berichten. Einschränkungen im Lebensalltag gibt es viele. Der Verzicht auf Freibad, Eisdiele und Biergarten im Sommer setzt vielen Betroffenen zu. Denn, jeder Stich bedeutet Lebensgefahr.

Wie sehen lebensbedrohliche Reaktionen auf Wespenstiche aus?

Eine allergische Reaktion auf Wespengift kann lebensbedrohlich sein und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Wurde jemand von einer Wespe gestochen, zeigen sich die Symptome in der Regel innerhalb weniger Minuten, manchmal auch nach Sekunden. Dabei gehören zur systematisch allergischen Reaktion: Hautreaktionen, wie zum Beispiel das Auftreten von Quaddeln und Schwellungen über Atemnot, Übelkeit und Erbrechen bis Blutdruckabfall. Die lebensbedrohlichste Art ist der sogenannte »Anaphylaktische Schock«. Dabei kann unweigerlich die Bewusstlosigkeit mit Herz-Kreislauf- und Atemstillstand eintreten. Dies stellt eine allergische Extremreaktion des Organismus dar. Einem Patienten muss hierbei sofort Adrenalin gespritzt werden. Betroffen sind in Deutschland ca. fünf Prozent der Bevölkerung.

Welches Verhalten ist bei einer schweren allergischen Reaktion richtig?

Betroffene, die gestochen wurden und eine schwere allergische Reaktion haben, sollten umgehend Hilfe holen. Ist man unter Personen, sollten sofort Freunde, Familie, Verwandte darauf aufmerksam gemacht werden, die wiederum helfen und Hilfe einleiten und die 112 anrufen. Befindet sich niemand in ihrer direkten Nähe, wählen Sie sofort den Notruf unter 112, während Sie Ihre Medikamente vom Notfallset einnehmen. Es muss zwingend ein Notarzt mit angefordert werden.

Greifen Sie die Adrenalin-Fertigspritze mit ihrer führenden Hand. Sind Sie Rechtshänder, so greifen Sie diese mit rechts, bei Linkshänder mit links. Entfernen Sie mit der anderen Hand die Sicherheitskappe. Drücken Sie das Nadelende fest auf die Außenseite der zu gebenden Stelle. Diese kann am Oberschenkel, am Arm oder auch Bauch erfolgen. Ein Klicken zeigt ihnen an, dass die Injektion erfolgreich war. Entfernen Sie nach 10 Sekunden die Adrenalin-Fertigspritze. Massieren Sie die Einstichstelle für 10 Sekunden. Wählen Sie danach sofort den Notruf 112 und geben Sie explizit einen allergischen Notfall an. Tritt während der Wartezeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, mindestens jedoch 5 Minuten nach der ersten Injektion keine Besserung ein, wenden Sie eine zweite Adrenalin-Fertigspritze an.

Im Telefongespräch mit dem Leitstellendisponenten wird in der Regel eine strukturierte Notrufabfrage durchgeführt. Dabei leitet Sie der Leitstellendisponent als Betroffener oder Helfer durch den Anruf. Hierbei fragt dieser die wichtigsten Informationen ab, wenn diese für ihn erforderlich sind, um dadurch gezieltere Maßnahmen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu erzielen.

Befinden Sie sich als Helfer vor Ort und sehen wie einem Betroffenen schwindlig oder schwarz vor Augen wird, so legen Sie den Oberkörper nach hinten und heben dessen Beine an. Liegt dagegen Atemnot vor, ist es sinnvoll den Betroffenen aufrecht sitzen zu lassen. Durch das aufrechte Sitzen streckt sich die Lunge, wobei es dem Betroffenen möglich ist, mehr und tiefer zu Atmen. Wichtig ist auf jeden Fall, bleiben Sie dabei und betreuen Sie ihn, damit er sich nicht allein fühlt.

Sollte der Betroffene nicht mehr bei Bewusstsein, die Atmung aber noch normal sein, ist die stabile Seitenlage das Mittel der Wahl. Fällt auch die Atmung aus, müssen die weitergehenden Körperfunktionen ersetzt werden. Die notwendigen Maßnahmen können hierbei die Mund-zu-Mund-Beatmung oder letztendlich die komplette Wiederbelebung; die Kombination aus Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage sein, die durchzuführen sind.

Welche Informationen sind für das Rettungsteam bei der Ankunft wichtig?

Ob als Betroffener, sofern eine Kommunikation möglich ist, oder als Helfer. Für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes ist der genaue Zeitablauf seit eintreten des Stiches bis zur Ankunft wichtig. Wann der Wespenstich passierte, was danach in der Folge unternommen wurde. Durch einen detaillierten Bericht ergeben sich viele versteckte Informationen, die für die Behandlung des Betroffenen wichtige Informationen liefern.

Bei der Erstversorgung durch den Rettungsdienst erfolgt in der Regel die Überprüfung der lebenswichtigen Funktionen wie Blutdruck, Herzfunktion und Sauerstoffsättigung. Anhand der ausgegebenen Messwerte, schließt sich die weitere Versorgung des Betroffenen an.

Was beinhaltet das Anaphylaxie-Notfallset?

Ein Anaphylaxie-Notfallset ist bei einer Wespengiftallergie sehr wichtig. Dieses umfasst drei Medikamente, mit denen der Wespenstich sofort behandelt werden muss. Dazu zählen ein in flüssiger Form Cortison-Präparat und Antihistaminikum sowie eine Adrenalin-Fertigspritze.

Die Adrenalin-Fertigspritze oder auch umgangssprachlich »Pen« genannt, kommt zum Einsatz, um bei einem Blutdruckabfall in Minutenschnelle die Gefäße zu verengen, um dadurch den Blutdruck und Kreislauf wieder zu stabilisieren. Das Antihistaminikum wirkt abschwellend und mindernd gegen die allergische Reaktion. Ebenfalls abschwellend wirkt das Cortison-Präparat. Dieses lässt zusätzlich die allergische Reaktion schneller abklingen.

In der Regel wird das Anaphylaxie-Notfallset immer dann verordnet, wenn es nach einem Wespenstich zu einer allergischen Allgemein-Reaktion gekommen ist, die durch einen Facharzt nachgewiesen und verordnet wurde.

Wissenswertes
Jährlich sterben in Deutschland durchschnittlich 20 Menschen an einem anaphylaktischen Schock aufgrund eines Insektenstichs. Im deutschsprachigen Raum sind Bienen und Wespen die häufigste Ursache einer schweren allergischen Reaktion. Experten zufolge leiden schätzungsweise ca. fünf Prozent der Bevölkerung an einer Bienen- oder Wespenallergie.

Foto: René Engmann
Fotos: Symbolfoto