Götzinger »Schwanen-Wirt« zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Neckar-Odenwald-Kreis

Buchen/Mosbach. 13 Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordes, 5 davon im Gefängnis, der Rest in einer Entziehungsanstalt für Suchtpatienten ist das Urteil des Schwurgerichtes des Landgerichtes Mosbach für den 55-jährigen Götzinger »Schwanen-Wirt«. Dieser hatte Mitte Februar 2013 seinen Bekannten Wolfgang S. aus Zorn und Erregung über den Diebstahl von Hitlers Buch »Mein Kampf« und Weltkriegs-Andenken kaltblütig erschossen und dessen Leichnam in seiner Scheune versteckt. Durch den Großbrand Anfang dieses Jahres (13.01.2018), wobei das Wohngebäude samt ehemaliger Gaststätte und Scheune des Verurteilten niederbrannte, wurden Leichenteile in der Brandruine gefunden. Nach der Festnahme des »Schwanen-Wirt« gestand dieser den Mord, der durch einen DNA-Abgleich durch die Heidelberger Gerichtsmedizin bestätigt wurde.

Verurteilung zu 13 Jahren Freiheitsstrafe nach Mord

Der 55-jährige Götzinger »Schwanen-Wirt« wurde des Mordes für schuldig befunden und zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Dies teilte das Landgericht Mosbach in ihrer Urteilsbekundung mit. Die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt wurde angeordnet. Vor der Maßregel sind 5 Jahre Freiheitsstrafe zu vollziehen.

Das Schwurgericht des Landgerichts Mosbach stufte die Tat nicht als Totschlag, sondern Mord ein. Die Staatsanwaltschaft Mosbach hatte eine Verurteilung wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beantragt und den Vorabvollzug der Freiheitsstrafe in geeignetem Umfang.

Die Nebenklägervertreterin hatte angeregt, über die Verurteilung wegen Mordes nachzudenken. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung wegen Totschlags und eine Freiheitstrafe von höchstens 10 Jahren beantragt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte gilt bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.

Hitlers Buch »Mein Kampf« und Weltkriegs-Andenken gestohlen

Die Staatsanwaltschaft Mosbach teilte folgendes mit. Nachdem der Angeklagte am 21.02.2013 in seiner Wohnung in Buchen-Götzingen Geräusche aus dem Keller gehört habe, habe er eine Pistole, in die er ein Magazin mit zwei Schüssen eingeführt habe, und einen Totschläger genommen. Damit habe er sich zur Scheune begeben, in der er einen Einbrecher vermutet habe. Nach Betreten der Scheune habe der Angeklagte im Keller den seinerzeit 55-jährigen Geschädigten entdeckt, einen ihm bekannten Mann.

Der Geschädigte habe aus dem Eigentum des Angeklagten unter dem rechten Arm das Buch »Mein Kampf« und in seiner rechten Hand einen Reservistenkrug und einen Beutel voller Orden getragen. Aus Zorn und Erregung über den Diebstahl habe der Angeklagte mit der Pistole in Richtung des Oberkörpers des Geschädigten geschossen, wobei der Angeklagte den Tod des Geschädigten billigend in Kauf genommen habe. Nachdem der Geschädigte getroffen auf die Knie gestürzt und sich mit beiden Händen auf dem Boden abgestützt habe, habe der Angeklagte ein zweites Mal geschlossen, sodass der Geschädigte von dem Geschoss mittig in der Schädeldecke tödlich getroffen worden sei.

Leichnam unter Stroh versteckt

Der Geschädigte sei auf den Rücken und in ein gebogenes Eisenteil gerutscht, was sich in dessen Körper gebohrt habe. Nachdem sich der Angeklagte über den Tod des Geschädigten vergewissert gehabt habe, habe er das Eisenteil aus dessen Rücken gezogen und den Leichnam auf einem Zwischenboden in der Scheune unter Stroh versteckt.

Großbrand brachte Leiche zum Vorschein

In den späten Nachtstunden des Samstages, 13.01.2018 brach aus weiterhin bislang ungeklärter Ursache ein Brand in der Götzinger Thingstraße aus. Dieser entwickelte sich kurze Zeit später zu einem Großbrand, wobei das Wohngebäude samt ehemaliger Gaststätte und Scheune niederbrannte. Tage später begannen Kriminaltechniker mit der Untersuchung des Brandes. Dabei stießen diese auf menschliche Überreste. Durch den Fund der menschlichen Überreste erfolgte am 24.01.2018 die Festnahme des 55-jährigen Besitzers, der durch seine ehemalige Gaststätte als »Schwanen-Wirt« bekannt war. In dessen Vernehmung räumte dieser das Tötungsdelikt gegen Wolfgang S. – der seit 2013 als verschwand galt – ein. Ein DNA-Abgleich der Leichenteile durch die Heidelberger Gerichtsmedizin bestätigte den Vermissten Wolfgang S.


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Foto: René Engmann