4 Tote bei katastrophaler Massenkarambolage nahe Ahorn

Main-Tauber-Kreis Verkehrsunfälle

A81/Ahorn. »Der folgenschwerste Verkehrsunfall in den letzten 10 Jahren in unserem Landkreis, den wir erleben mussten«, wie Main-Tauber-Kreis Landrat Reinhard Frank sichtlich mitgenommen mitteilte. Eine schwere Massenkarambolage mit 8 Fahrzeugen, darunter fünf PKW und drei Sprinter, mit insgesamt 13 beteiligten Personen ereignete sich am späten Samstagnachmittag des 21.07.2018. Die traurige Bilanz: 4 tote Männer und Frauen, 5 schwer- und zum Teil lebensgefährlich Verletzte, eine Leichtverletzte und 3 Unverletzte. Über 100 Einsatzkräfte mit weit mehr als 40 Einsatzfahrzeugen leisteten Schwerstarbeit. Landrat Reinhard Frank, Einsatzleiter der Feuerwehren Dominik Götzinger, Kreisbrandmeister Alfred Wirsching, Organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes Stephan Occhi und Pressesprecher des Polizeipräsidium Heilbronn Carsten Diemer gaben in einem Interview ausführlich Stellung.

Tödliche Massenkarambolage zählt zur größten Katastrophe des Landkreises

Gegen 16.09 Uhr ging über die Integrierte Leitstelle Main-Tauber der Alarm für die Feuerwehren und Rettungsdienst ein. Gemeldet wurde dabei ein schwerer Verkehrsunfall mit mehreren Fahrzeugen auf der A81 von Würzburg kommend in Fahrtrichtung Heilbronn zwischen den Anschlussstellen Ahorn und Boxberg. Bereits nach dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte konnte man das Ausmaß nur erahnen. Sofort wurde Großalarm durch das Alarmstichwort »MANV 2« – Massenanfall von Verletzten – ausgelöst. Dies hatte zur Folge, dass weitere Feuerwehren sowie der gesamte Rettungsdienst mit seinen Ortsverbänden und aus dem Neckar-Odenwald-Kreis weitere Rettungsdienste alarmiert wurden. Für den Main-Tauber-Kreis, so Landrat Reinhard Frank gegenüber banews.de: »Der folgenschwerste Verkehrsunfall in den letzten 10 Jahren in unserem Landkreis, den wir erleben mussten.«

4 Menschen verloren ihr Leben

Insgesamt waren 13 Insassen der Fahrzeuge an der Massenkarambolage involviert. Vier von Ihnen, davon zwei Männer im Alter von 43 und 59 Jahren, sowie zwei Frauen im Alter von 48 und 50 Jahren starben noch an der Unfallstelle an ihren schweren Verletzungen.

Fünf Menschen, es handelt sich dabei um drei Männer im Alter von 41, 46 und 48 Jahren und zwei Frauen im Alter von 51 und 44 Jahren wurde mit schwersten, zum Teil lebensgefährlichen, Verletzungen in verschiedene Kliniken nach Mannheim, Würzburg, Buchen und Bad Mergentheim mit Rettungshubschraubern und Rettungswagen transportiert.

Eine 19-jährige Frau zog sich leichte Verletzungen zu. Drei männliche Unfallbeteiligte im Alter von 39, 44 und 23 Jahren blieben unverletzt. Alle Personen stammen aus dem süddeutschen Raum.

Sehr komplexes Unfallgeschehen

Bisher ist die Unfallursache der katastrophalen Massenkarambolage noch völlig unklar. Es handelt sich um ein sehr komplexes Unfallgeschehen wie Carsten Diemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn gegenüber banews.de vor Ort mitteilte. Die Spezialisten des Verkehrsunfallaufnahmedienstes des Verkehrspolizeikommissariats Tauberbischofsheim werden mit allen Mitteln versuchen, Erkenntnisse, Spuren und Zeugenaussagen zusammenzutragen und auszuwerten, um so in enger Absprache mit dem Sachverständigen, der ebenfalls am Unfallort war, herauszufinden, was am Samstagnachmittag auf der Autobahn 81 geschehen ist.

Über 100 Einsatzkräfte im Einsatz

Über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Notfallseelsorge, Polizei und Autobahnmeisterei waren im Einsatz. Davon 15 Fahrzeuge der Feuerwehren Tauberbischofsheim sowie Lauda-Königshofen. Die Feuerwehren Königheim und Brehmen organisierten die Sammelstelle im Brehmer Bürgerhaus. Der Rettungsdienst des Deutschen-Roten-Kreuz aus dem Main-Tauber-Kreis sowie Neckar-Odenwald-Kreis war mit 15 Rettungswagen, Notarztfahrzeugen und Fahrzeugen des Bevölkerungsschutzes durch die Ortsverbände des DRK vor Ort und drei Rettungshubschrauber, darunter der ADAC Christoph 18 sowie zwei weitere der DRF Luftrettung. Die Autobahnmeisterei Tauberbischofsheim unterstützte die Verkehrsleitung und -führung mit mehreren Fahrzeugen und Mitarbeitern.

Kreisbrandmeister Alfred Wirsching fügte hinzu: »Bei diesem nicht alltäglichen Verkehrsunfall wurden unsere Feuerwehren auf das Äußerste gefordert. Ein solcher Einsatz mit vier Toten und vier Schwerstverletzten ist auch keine Routine für unsere erfahrenen Feuerwehrleute. Auch diese müssen es danach noch entsprechend verkraften. Sie haben hervorragend gearbeitet. Ich möchte nochmals Danke und Respekt unseren Feuerwehrleuten und dem Rettungsdienst aussprechen.«

Viele Ersthelfer kümmerten sich um Patienten

Wie der vor Ort befindliche Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes Stephan Occhi in einem Interview gegenüber banews.de mitteilte, waren bereits beim Eintreffen an der Einsatzstelle sehr viele Ersthelfer vor Ort, die die Patienten schon versorgt hatten. Dem schloss sich ebenso Einsatzleiter Dominik Götzinger von der Freiwilligen Feuerwehr Tauberbischofsheim an und lobte das Engagement der Ersthelfer.

8 beteiligte Fahrzeuge mit 150.000 Euro Schaden

Bis Sonntagmorgen gingen die Spezialisten des Verkehrsunfallaufnahmedienstes des Verkehrspolizeikommissariats Tauberbischofsheim von 10 an der Massenkarambolage beteiligten Fahrzeuge aus. Dies erwies sich zwischenzeitlich als nicht richtig. Es konnte herausgefunden werden, dass 8 Fahrzeuge, darunter fünf PKW und drei Transporter verwickelt waren. Zwei weitere Fahrzeuge, darunter ein Fahrzeug, welches im Trümmerfeld stand, nicht in das Unfallgeschehen verwickelt war und dessen Fahrer dort lediglich anhalten mussten. Ein weiteres Fahrzeug, von dem zunächst angenommen wurde, dass es in die Kollision involviert sei, konnte einem anderen Unfall zugeordnet werden. Dieser hatte sich kurze Zeit vor der Karambolage rund 200 Meter weiter in Richtung Boxberg ereignet. Der Fahrer eines schwarzen SUV war dort ohne Fremdbeteiligung in die Leitplanke gekracht. Verletzt wurde er dabei nicht. Der Gesamtschaden der Massenkarambolage beläuft sich auf weit über 150.000 Euro.

Knapp 10-stündige Vollsperrung

Die kurz nach 16:00 Uhr entstandene Vollsperrung dauerte rund 10 Stunden bis gegen 02:00 Uhr am Sonntagfrüh an. Als zu Beginn des Einsatzes das Ausmaß erkannt wurde, wurde die A81 an der Anschlussstelle Ahorn für den weiteren Verkehr sofort gesperrt. Die Ausleitung des aus Würzburg kommenden Verkehrs wurde mit der Ableitung nach Ahorn vollzogen. Da sich die Einsatzstelle rund 3 Kilometer nach der Anschlussstelle Ahorn in Fahrtrichtung Heilbronn befand, standen hier bereits hunderte von Verkehrsteilnehmern in der Vollsperrung. Gegen 20:00 Uhr begann die Rückführung des Verkehrs. Dabei mussten die Verkehrsteilnehmer mit ihren Fahrzeugen wenden und falsch herum die Autobahn bis zur Anschlussstelle Ahorn zurück- und abfahren. Dies geschah in enger Abstimmung zwischen der Polizei und der Autobahnmeisterei.

Bis zum Schluss verweilte eine letzte Besatzung der Freiwilligen Feuerwehr Tauberbischofsheim an Ort und Stelle. Gegen 00:45 Uhr konnte auch diese den Heimweg zum Feuerwehrgeräthaus antreten.


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05.08.2018 – Nach katastrophaler Massenkarambolage – Eine getötete Person war außerhalb des Fahrzeuges


Fotos: René Engmann