LKW quetscht PKW zwischen sich und Mittelleitplanke ein

Neckar-Odenwald-Kreis Verkehrsunfälle

A81/Osterburken. Ein schlimmes Bild zeigte sich am späten Mittwochnachmittag (20.06.2018) auf der A81 zwischen Boxberg und Osterburken in Fahrtrichtung Heilbronn. Ein Sattelzug hatte zwischen sich und der Mittelleitplanke einen PKW auf einer länge von rund 200 Meter eingequetscht und mitgeschliffen. Der Ausgang für die beteiligten Personen jedoch positiv. Es wurde beim Hauptunfall niemand verletzt. Das Resultat, über 4 Stunden Vollsperrung durch eine massiv verunreinigte Fahrbahn, die durch Verkehrsteilnehmer geschuldet war. Die Rettungsgasse, ein Fiasko. Der Gesamtschaden bei 100.000 Euro.

PKW zwischen LKW und Mittelleitplanke zerstört

Um 16.18 Uhr erhielt die Polizei über den Notruf 110 die Mitteilung eines schweren Verkehrsunfalls auf der A81, zwischen den Anschlussstellen Boxberg und Osterburken in Fahrtrichtung Heilbronn. 700 Meter vor der Ausfahrt der Anschlussstelle Osterburken geriet ein 28-jähriger Fahrer eines Sattelzuges nach einem scharfen Brems- und Ausweichmanöver mit einem PKW in Kontakt.

Das Ausweichmanöver war so hart, dass der PKW zwischen dem Sattelzug und der Mittelleitplanke eingequetscht und auf einer länge von über 200 Meter mitgeschliffen wurde. Bis zum finalen Stillstand des Sattelzuges wurde der PKW durch die enormen Kräfte regelrecht auseinandergepflückt und vollständig eingeklemmt. Die Trümmerteile wurden auf hunderte Meter verteilt. Fahrzeugteile, wie beispielsweise ein gesamter Autoreifen samt Felge, Bremsscheibe und Radaufhängung, verkeilte sich massiv unter der Mittelleitplanke. Weitere Bremsscheiben wurden in ihre Einzelteile zerlegt.

Der Fahrer des PKW hatte mehrere Schutzengel, die über ihn wachten. Wie durch ein Wunder blieb dieser unverletzt. Ebenso der Fahrer des Sattelzuges blieb unverletzt. Nachfolgende Verkehrsteilnehmer reagierten geistesgegenwärtig und konnte ihre Fahrzeuge noch rechtzeitig zum Stoppen bringen. Unverletzt blieb zwar der Fahrer des PKW, seine nur einige Fahrzeuge dahinter befindliche Lebensgefährtin, die alles mitansehen musste, erlitt einen Schock.

Ein Folgeunfall ereignete sich um 17.45 Uhr am Stauende, als ein Fahrer eines Transporters durch Unachtsamkeit auf ein am stauende stehenden SUV auffuhr. Der Fahrer des SUV blieb unverletzt, der Unfallverursacher erlitt leichte Verletzungen. Beide Fahrzeuge waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Der Schaden, mehrere tausend Euro.

Rettungsdienst versorgt eingeschlossene mit Getränken

Wer ein schattiges Plätzchen sein Eigen nennen konnte, schätzte sich glücklich. Nicht so Verkehrsteilnehmer die keinen Wald, keine Bäume oder ähnliches neben sich stehen hatten. Für diese hieß es warten, warten, warten und die hohen Temperaturen aushalten. Es zerrte stark an den Nerven, was dabei unverkennbar war. Das Deutsche-Rote-Kreuz vom Ortsverband Ravenstein fuhr mit seinen Einsatzkräften den gesamten Rückstau auf und ab und verteilte Getränke in Form von Wasserflaschen an die wartenden Personen.

Die Rettungsgasse – Ein Fiasko

Mehr schlecht als recht zeigte sich die in Deutschland gesetzlich verpflichtende Rettungsgasse. Nicht im gesamten Rückstau, jedoch in vielen großen Abschnitten zeigten Verkehrsteilnehmer ihr falsches Verhalten. Dabei waren PKW sowie LKW gleichermaßen die blockierenden Fahrzeuge. Trotz eingeschaltetem Signalhorn und Blaulicht wurde immer wieder die Fahrbahn bis auf wenige Zentimeter Abstand blockiert. Zusätzliches betätigen der Hupe für Sekunden oder auch längere Zeit änderte nichts am Verhalten. Obwohl Einsatzfahrzeuge der Autobahnmeisterei mit Blaulicht, Signalhorn und Hupe, sowie sämtliche Bergungsfahrzeuge mit Signalleuchten und Hupen die Verkehrsteilnehmer regelrecht beschallten, sowohl von weitem als auch bis auf wenige Zentimeter nah am Kofferraum, dauerte es über eine Stunde, bis diese an der Einsatzstelle völlig entnervt ankamen. Ein Frankfurter Motorradfahrer schoss den Vogel zusätzlich ab. Dieser kassierte eine Ordnungswidrigkeitenanzeige mit einem Punkteeintrag und Geldbuße, da dieser verbotswidrig inmitten der Vollsperrung durch die Rettungsgasse bis auf wenige Meter an die Einsatzstelle fuhr.

4-stündige Vollsperrung mit 15 km Stau

Am aufwendigsten und langwierigsten waren die Reinigungsarbeiten der Fahrbahn. Durch die enorme Wucht und zerstörerischen Kraft, liefen am PKW sämtliche Betriebsstoffe aus. Diese vermischten sich zusätzlich mit einem geborstenen Tank des Sattelzuges, wobei aus diesem über 300 Liter Dieselkraftstoff ausliefen und teilweise in das Erdreich flossen. Zur anfänglichen Unfallzeit fuhren dabei ignorante Verkehrsteilnehmer an der Unfallstelle vorbei. Der rechte Fahrstreifen sowie Standspur waren zu diesem Zeitpunkt bereits völlig mit jeglichen Betriebsstoffen verunreinigt. Das Resultat, eine fast 5 Meter breite und mehrere hundert Meter lange verunreinigte und spiegelglatte Straße, die eine 4-stündige Vollsperrung auslöste.

Die Firma Feuerstein aus Grünsfeld wurde für die Spezialreinigung und Bergung der verunfallten und nicht mehr fahrbereiten Fahrzeuge beauftragt. Die Autobahnmeisterei Tauberbischofsheim reinigte den linken Fahrstreifen von Trümmerteilen und Erdbrocken, die zuvor aus dem Mittelstreifen auf die Fahrbahn geschleudert wurden. Die Freiwillige Feuerwehr Osterburken war mit 35 Einsatzkräften und sechs Fahrzeugen im Einsatz und kümmerte sich in erster Linie um die technische Hilfeleistung. Vertreter des Umweltamtes des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis befanden sich ebenso vor Ort.

Insgesamt hatte die Vollsperrung im Durchschnitt einen Rückstau von 10 km zu verweisen. Zur Spitzenzeit reihte sich ein Fahrzeug nach dem anderen auf eine länge von über 15 km, wobei das Ende zwischen den Anschlussstellen Ahorn und Boxberg war. Die Umleitungsstrecke via Landes- und Bundesstraße bis zur Anschlussstelle Osterburken war auf lange Zeit stark überlastet. Um 20.20 Uhr konnte die Vollsperrung wieder aufgehoben werden und der Verkehr abfließen.

Enormer Gesamtschaden

Der gesamte Sachschaden beläuft sich auf rund 100.000 Euro, wobei 50.000 Euro auf den PKW fallen. Weitere 30.000 Euro Schaden sind an der Sattelzugmaschine zu Beziffern und 10.000 Euro am Sattelauflieger. Für den Schaden der Leitplanken, des Bodens, deren Begrenzungssteine sowie aufwendigen Reinigungsarbeiten fallen noch weitere 10.000 Euro zu buche.


Fotos: René Engmann