MANV-1 Alarm bei Kellerbrand in Seniorenwohnanlage »Laurentius«

Main-Tauber-Kreis

Tauberbischofsheim. Als um 18.58 Uhr die Brandmeldeanlage der Seniorenwohnanlage Laurentius auf dem Laurentiusberg (ehemalige Kaserne) in der Niels-Bohr-Straße in Tauberbischofsheim auslöste, entwickelte sich dieser Einsatz zu einer größeren Angelegenheit. Die Feuerwehren waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Für den Rettungsdienst wurde MANV-1 »Massenanfall von Verletzten« ausgerufen.

Kellerbrand in Seniorenwohnanlage

Innerhalb von zwei Minuten lösten mehr und mehr Melder aus den Gruppe 1 bis 4 der Seniorenwohnanlage aus. Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Tauberbischofsheim waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Eiltempo auf dem Weg zum Feuerwehrgerätehaus. Nach rund 6 Minuten waren die Fahrzeuge gesattelt und einsatzbereit. Mit Sondersignal ging es in Richtung Laurentiusberg. Bereits auf der Anfahrt konnte eine enorme Rauchentwicklung bestätigt werden, was umgehend eine Aufstockung mit einer weiteren Alarmierung für die Tauberbischofsheimer Wehr mit sich zog.

Am Einsatzort angekommen bestätigte sich ein Kellerbrand im Gebäude. Sowohl auf der Gebäudefrontseite links als auch rechts außen, quoll bereits dichter Rauch aus den Treppenhäusern und Kellerschächten. Ferne drückte es an der rechten Gebäudehälfte Rauch aus dem Dachgiebel. Viele der Bewohner standen in mehreren Etagen an beiden Gebäudeseiten an ihren geöffneten Zimmerfenstern und schrien um »Hilfe«. Eine Menschenrettung über die Treppenhäuser? Undenkbar. Weitere Einsatzkräfte, darunter die Ortsteil-Wehren Dittigheim und Hochhausen sowie der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Lauda wurden sofort nachalarmiert. Der Rettungsdienst erhielt die Alarmierung mit dem Alarmstichwort »MANV-1«.

Sofort die Abschnitte »Evakuierung« und »Brandbekämpfung« gebildet

Da eine Evakuierung über die Treppenhäuser von vornherein ausgeschlossen war, wurden sofort zwei Abschnitte gebildet. Dazu zählten der Abschnitt »Evakuierung« sowie »Brandbekämpfung«. Die jeweiligen Zugführer Jens Sack und Mario Noe führten diese.

Anfänglich gestaltete sich die Koordination der Bewohner schwierig. Da während der Anfahrt Bewohner auf der Gebäuderückseite an den Fenstern standen und jetzt wiederrum an der Frontseite. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es ein und die selben Bewohner waren, die immer wieder gewechselt hatten. Mittels Kräften der Drehleiter und des Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuges wurden diese aus luftiger Höhe gerettet. Weitere Bewohner, die im Erdgeschoss an den Fenstern warteten, wurden direkt aus ihren Zimmern geholt. Der in sicherer Entfernung stationierte Gerätewagen-Transport diente als Verletzten-Sammelstelle für die Evakuierten.

Zeitgleich erfolgte die Brandbekämpfung. Die Besatzungen der Tanklöschfahrzeug 16/25 und 24/50 waren für hierfür zuständig. Die Trupps gingen dabei aus mehreren Richtungen ans Werk. So verschafften sich diese an der Gebäudefrontseite, am linken Treppenhaus, einen Zugang und erkundeten den langen Flur des Untergeschosses. Auf der rechten Gebäudefrontseite, bei der unter anderem aus dem Dachgiebel starker Rauch emporstieg, ging man mit brachialer Gewalt gegen die Außentüre vor, die direkt einen Zugang zum Untergeschoss offenbarte. Nachdem die Außentüre zerstört war und zugleich Flammen entgegenschlugen, begann man mit der sofortigen Brandbekämpfung. Es stellte sich heraus, dass ein Kellerabteil im Vollbrand stand und die Flammen sich in den Flur ausbreiteten. Mittlerweile konnten sich die Trupps, die von der linken Seite aus unterwegs waren, bis zum unmittelbaren Brandort vordringen und ebenfalls den Brand bekämpfen.

Es dauerte rund eine Stunde bis der Brand unter Kontrolle war und »Feuer schwarz« gemeldet werden konnte. Was die Ursache des Brandes war und wie dieser entstehen konnte ist bislang unklar.

Rettungsdienst hatte alle Hände voll zu tun

Nachdem die Bewohner sukzessiv aus dem Gebäude geholt wurden, betreute man diese medizinisch durch mehrere Notärzte und Rettungssanitäter an der dafür extra eingerichteten Verletzten-Sammelstelle. Glücklicherweise wurde keiner der 30 anwesenden Bewohner verletzt. Auch Rauchgaseinatmungen konnten ausgeschlossen werden. Einige hatten aufgrund der sommerlichen Temperaturen und dem unerwarteten Stress körperlich zu Kämpfen. Vielen Stand der Schock jedoch in die Gesichter geschrieben. Mehrere Rettungswagen standen dennoch bereit.

Großeinsatz für Feuerwehren und Rettungsdienst

Die Alarmierungskette war enorm. Insgesamt waren 78 Einsatzkräfte mit 16 Fahrzeugen der Feuerwehren Tauberbischofsheim mit 35 Personen, deren Ortsteile Hochhausen mit 6 Personen sowie Dittigheim mit 6 Personen und einem kompletten Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Lauda mit 31 Personen im Einsatz. Der Rettungsdienst war mit 25 Kräften, 6 Rettungswagen sowie zwei Notarztfahrzeugen, einem Leitenden Notarzt und Organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes vor Ort. Ebenfalls befand sich Kreisbrandmeister Alfred Wirsching am Schadensort.

Fiktives Szenario
Es handelte sich hierbei um eine große Zugübung der Freiwilligen Feuerwehr Tauberbischofsheim. Die Einsatzkräfte wussten bis zum Eintreffen am Brandort von einer Übung, nicht jedoch von deren Inhalt. Die Übung erfolgte in einem alt ausrangierten Kasernengebäude in Tauberbischofsheim, das hierfür präpariert wurde. Eine Seniorenwohnanlage mit diesem Namen und diesem Standort existiert nicht. Der Rauch wurde mittels mehrerer Nebelmaschinen und Rauchbomben simuliert. Mitglieder der tauberbischofsheimer Jugendfeuerwehr spielten hierbei die Rolle der Bewohner. Die Rettung erfolgte real über die Drehleiter. Die Feuerwehren Dittigheim, Hochhausen und Lauda sowie der Rettungsdienst waren während der Übung nicht vor Ort. Es wurde in der Übung simuliert, dass und wie diese in so einem Fall mit eingespannt werden und würden. Nach Übungsende erfolgte noch vor Ort eine ausführliche Lagebesprechung.

Fotos: René Engmann