RETTmobil 2018 – Europas internationale Leitmesse

Main-Tauber-Kreis

Fulda. Europas größte Leitmesse für Rettung und Mobilität feierte in diesem Jahr die Volljährigkeit. Die 18. RETTmobil findet jeher in Fulda statt. Jährlich werden dort die aktuellsten Feuerwehr- und Notfallmedizin-Techniken sowie Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes, daneben sind Hilfsorganisationen und Berufsverbände vertreten, auf einer Ausstellungsfläche von über 70.000 Quadratmetern mit 20 Hallen samt einem umfangreichen Freigelände ausgestellt und präsentiert.

Messe feierte Volljährigkeit mit Rekordzahlen

Brisante Themen wie Amok, Terror und Gewalt gegen Rettungskräfte prägten die 18. RETTmobil 2018, die vom 16. bis zum 18. Mai in Fulda stattfand. Bei der Eröffnung der weltweit bedeutendsten Leistungsschau für das Rettungswesen, formulierten etliche Redner klare Bekenntnisse zum Standort Fulda und zur Zukunft der RETTmobil, die sich zahlreichen neuen Herausforderungen stellt. An der Rekordmesse beteiligen sich in diesem Jahr 540 Aussteller aus 20 Nationen. Auch ein Besucherrekord konnte verzeichnet werden. Unter anderen waren dabei: der Deutsche Feuerwehrverband, die Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehren im Rettungsdienst, die Feuerwehr Fulda, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter-Unfall-Hilfe, das Deutsche Rote Kreuz und die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Die Feuerwehr Fulda hatte auch in diesem Jahr ein spannendes Fortbildungsprogramm für Einsatzkräfte vorbereitet. Dazu gehörten Vorführungen der Höhenrettungsgruppe sowie Rettung, Transport und Übergabe eines Patienten unter einer maschinellen, vollautomatischen Brustkorbkompression. Außerdem kam eine neue Teleskopmastbühne mit 42 Meter Höhe zum Einsatz. Wichtige Ergänzungen des umfangreichen Informationsangebotes der RETTmobil war dabei der traditionelle wissenschaftliche Kongress und das Fachprogramm mit namhaften Referenten unter dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ mit medizinisch-rettungsdienstlichen Fortbildungen und Workshops. Mobilität erfuhren die Besucherinnen und Besucher im perfekten Offroad-Bereich für Geländetraining und auf der Teststrecke für Fahrsicherheitsübungen. Hier konnten alle Interessierten die aktuelle Fahrzeug- und Rettungstechnik hautnah und eindrucksvoll erleben.

»Respekt für die Retter«

Respekt gegenüber den Rettungskräften und klare Strukturen für den Rettungsdienst forderte Dr. Frank-Jürgen Weise. Der Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe und Schirmherr der diesjährigen RETTmobil zeigte sich begeistert von Professionalität und Qualität der Aussteller, die einen internationalen Beitrag für die Rettungsbranche leisteten. Wichtig seien auch der direkte Informations- und Meinungsaustausch, zumal sich die Begegnung zwischen Menschen ebenso wenig digitalisieren lasse wie das Vertrauen zwischen Nutzern und Anbietern. Die Versorgungssituation während des Flüchtlingszustroms in Deutschland nannte Weise katastrophal und beschämend. Ohne die Rettungsdienste und die große Leistung der Gesellschaft wäre die Lage noch schlimmer gewesen. Aufgabe der Politik sei es, die Strukturen im Rettungsdienst in guten Zeiten zu bewahren und zu trainieren. Im Hinblick auf die Zukunft der Messe sagte Weise: „Ich vermute stark: Wir werden immer dabei bleiben“.

Eine Herzensangelegenheit

In diesem Sinne äußerte sich auch Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Für Fulda sei die jetzt volljährig gewordene Messe eine Herzensangelegenheit. Die RETTmobil genieße höchste Priorität und werde auf lange Sicht willkommen geheißen werden. Von entscheidender Bedeutung für den Rettungsdienst, der auch eine kommunalpolitische Aufgabe darstelle, sei der Mensch. Deshalb müsse die Gesamtgesellschaft hinter den Rettern stehen.

»Gewalt geht gar nicht«

Um die Gewalt gegen Rettungskräfte zu thematisieren und ihr entgegen zu wirken, startet der Deutsche Feuerwehr Verband (DFV) eine mehrjährige Kampagne unter dem Motto „Gewalt geht gar nicht“. Wie DFV-Präsident Hartmut Ziebs zudem ausführte, sei der Rettungsdienst in Deutschland international führend. Dem Ansinnen der Politik, die Notfallversorgung in Krankenhäusern zu zentralisieren, erteilte Ziebs eine entschiedene Absage. Schon jetzt hätten die Rettungsdienste erhebliche Probleme, Patienten in Kliniken unterzubringen. Der Mensch dürfe nicht zum Wirtschafts-gut verkommen.

Nur 22 Prozent echte Notfälle

Auf das hohe wissenschaftlich-medizinische Niveau des Fachprogramms während der RETTmobil wies Professor Dr. Peter Sefrin hin. Der wissenschaftliche Leiter des Angebots berichtete, dass die Anforderungen im Rettungsdienst immer größer würden. Deshalb gelte es, neue Erkenntnisse zu vermitteln. Große Bedeutung komme der ambulanten Notfallversorgung zu. Leider fehlten entsprechende Aussagen im Berliner Koalitionspapier. Auch Sefrin vermisst die Anerkennung der Leistungen im Rettungsdienst durch die Bevölkerung. Laut einer Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes handle es sich bei nur 22 Prozent der Patienten um echte Notfälle. Heute werde nicht mehr zuerst der Hausarzt konsultiert, sondern sofort die Notfallaufnahme in Anspruch gekommen.

Rettungssystem als Exportschlager

Das in der Welt einmalige deutsche Rettungssystem zu einem Exportschlager zu machen, regte Manfred Hommel an. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Hersteller von Kranken- und Rettungsfahrzeugen, ideeller Träger der RETTmobil, wies in seiner Begrüßung auf deren „unglaubliche Entwicklung“ hin, zu welcher der Deutsche Feuerwehr Verband wesentlich beigetragen habe. Der Erfolg der Messe, zu der es weltweit nichts Vergleichbares gebe, gründe auf den Säulen Fachmesse, Fortbildung, Mobilität und Qualität. Hommels Dank galt unter anderem auch der Stadt für deren Unterstützung sowie Petra Dehler-Udolph und Dieter Udolph, den Geschäftsführern der Messe Fulda GmbH als Veranstalter der RETTmobil, für deren „vorbildliches Engagement“.

Dieter Udolph unterstrich in seinem Schlusswort, dass seine Ehefrau Petra die gute Seele der RETTmobil sei und bleibe, die inzwischen mit ihrer Kapazität an die Grenzen des Möglichen stoße. Während der Messe bedeute stets vor der Messe, denn die Vorarbeiten für die 19. RETTmobil 2019 vom 15. bis 17. Mai hätten bereits begonnen.


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Fotos: René Engmann