Stammzellspende: 1656 Menschen wollen 15-jähriger Michelle helfen

Main-Tauber-Kreis

Lauda-Königshofen. Es kommt nicht oft vor, dass so eine Anzahl an Menschen in das beschauliche 600-Seelen-Dorf Oberbalbach, einem Ortsteil von Lauda-Königshofen im beschaulichen Main-Tauber-Kreis kommen, aber sie kamen! Umso mehr erfreute es die freiwilligen Organisatoren um Michelles Leben zu retten. Eins vorweg: In vier bis sechs Wochen liegen die Ergebnisse vor. Dann sind die 1656 neu bestimmten Personen in der Spenderdatei der DKMS zu finden und stehen weltweit Patienten zur Verfügung.

1656 Personen ließen sich registrieren

Die Schlange wuchs und wuchs immer weiter, sie wurde nicht kürzer. Insgesamt 1656 Menschen aus dem Main-Tauber-Kreis, den umliegenden Landkreisen und noch weitere hundert Kilometer weg, ließen sich am Sonntag in der Oberbalbacher Kleinturnhalle als potenzielle Stammzellspender registrieren. Alle einte dabei eines, die Hoffnung. Die Hoffnung der 15-jährigen Michelle aus Oberbalbach zu helfen, die vor wenigen Wochen an einer schweren Art an Leukämie erkrankt ist. Die Typisierungsaktion organisierten Angehörige der Familie und Freunde von Michelle zusammen mit der DKMS.

Ununterbrochener Andrang – Menschenschlangen hielten Helfer in Atem

Obwohl es erst um 11.00 Uhr los ging, war bereits eine lange Schlange an Wartenden um 10.30 Uhr an der Kleinturnhalle in Oberbalbach versammelt. Die Einweisung über den Registrierungsvorgang der über 100 Helfer erfolgte durch Evin Sevinc von der DKMS und dessen Kollegen. Um 11.00 Uhr öffneten sich die Türen und die Registrierung begann. Der Ablauf verlief für die Spender immer gleich. Nach dem Ausfüllen des Fragebogens wurden den Spendern drei sterile Wattestäbchen gereicht. Jedes Stäbchen musste eine Minute an den Wangeninnenseiten gerieben und danach eingepackt werden. Bis gegen 12.30 Uhr hielt sich die Schlange an künftig registrierten Menschen. Zur Mittagszeit beruhigte sich die Lage allmählich und ein aufatmen der Helfer hallte durch die Halle. Dies blieb nicht von Dauer. Bereits gegen 14.00 Uhr war die Volllast wieder erreicht und hielt sich bis zum Ende. Da konnte auch die zur zweiten Hälfte eingetretene Schlechtwetterphase keinen Abbruch mit sich bringen. Wer bereits registriert war oder sich nicht registrieren durfte, genoss bei Sonnenschein die Festzeltstimmung im Außenbereich.

Wie Christian Scherer von der Freiwilligen Feuerwehr Oberbalbach mitteilte, haben sich alle Verkehrsteilnehmer an die Anweisungen der Feuerwehr gehalten und so zu einem reibungslosen Verkehrsaufkommen beigetragen. Zu negativen Vorkommnissen kam es nicht. Auch zu Spitzenzeiten war die Parksituation gesittet. Der eingerichtete Shuttlebus-Service wurde gerne angenommen und tatkräftig genutzt. Gegen 11.15 Uhr musste für einige Zeit ein Einlassstopp errichtet werden, da die Verkehrssituation den Ort volllaufen ließ. Einen Dank sprach er zugleich an die Kameraden anderer Feuerwehren aus, die teils in Mannschaftsstärke mit ihren Einsatzfahrzeugen zur Typisierungsaktion kamen und sich registrieren ließen.

Familie überwältigt – Wie geht’s es Michelle?

Seit am 22. März, vor rund 7 Wochen die Diagnose Blutkrebs feststand, hat sich ihr Leben drastisch verändert. Sie liegt im Krankenhaus und muss derzeit eine sehr aggressive Chemotherapie über sich ergehen lassen. Anfänglich noch geschockt, verflog die Angst der durch die Chemotherapie ausgefallenen Haare, da Sie mit den Patienten in der Klinik eines vereint.

Michelles Familie war von der hilfsbereiten Anteilnahme in Oberbalbach überwältigt. „Wir können es kaum glauben. Nie hätten wir mit einer solchen Unterstützung gerechnet.“, wie die Eltern Katrin und Dieter im Gespräch mitteilten. Diese Hilfsbereitschaft gebe der Familie in dieser schweren Zeit viel Kraft. Allen voran Michelle, die die vergangenen Wochen fleißig die Unterstützung vom Krankenbett aus verfolgte. „Michelle geht es sowohl mental als auch psychisch gut.“, fügte Mutter Katrin hinzu. Trotz der körperlichen Verfassung hat Michelle ihren Lebensmut und das Selbstbewusstsein nicht verloren. Wie andere Teenager in ihrem Alter würde Sie lieber zu Hause sein und unbeschwert das Leben genießen.

Über 20.000 Euro in 5 Stunden – 36.000 Euro Gesamt

Da eine Neuregistrierung 35 Euro kostet, bat die DKMS um eine freiwillige Geldspende. Und die hatte es in sich. Am Ende der Typisierungsaktion kamen über 20.000 Euro zusammen, berichtet Evin Sevinc der DKMS vor Ort. Darunter immer wieder 500-Euro-Banknoten. Zwei Spendenchecks in Höhe von insgesamt 1.700 Euro wurden mit 1.000 Euro vom »Hefe Club 90 Gissigheim« und mit 700 Euro von der »Taubertäler Hilfsgemeinschaft e.V.« gespendet. Weitere Geldspenden die auf das Bankkonto der DKMS mit dem Verwendungszweck „Michelle“ überwiesen wurden, waren mit Stand Freitag (11.05.2018) bei über 16.000 Euro. Der Erlös des Kaffee- und Kuchenverkaufs samt Bratwürsten, wobei von 910 Bratwürsten über 800 über den Tisch gingen, steht derzeit noch aus.

„Wir haben nie mit so einem enormen Ergebnis gerechnet…“

„Mein Dank geht nicht nur an die Firmen und Privatpersonen für ihre Spenden und Unterstützung, mein Dank geht an die 1656 neuen Spender und jeden der uns irgendwie unterstützt hat. Dazu zählen ebenso unsere 120 freiwilligen Helfer.“, sagte Michelles Tante und zugleich Organisatorin Daniela Dürr. „Wir haben nie mit so einem enormen Ergebnis gerechnet. Wir hatten gehofft und gebangt wie die Bevölkerung dazu steht. Zum Schluss wurden wir etwas Besserem belehrt.“, so Dürr abschließend.

DKMS schwer beeindruckt von der Leistung der ländlichen Region

Schwer beeindruckt von der überwältigenden Registrierung- und Geldspendenanzahl zeigten sich zwei offizielle Vertreter der DKMS die vor Ort waren. Evin Sevinc von der DKMS sprach von einer sehr zufriedenstellenden Gesamtsituation, was den Einklang des 120 personenstarken Helferteams und Spendenbereitschaft der Menschen aus nah und fern mit sich brachte. „Die hervorragende mediale Öffentlichkeitsarbeit für einen Zeitraum von rund 3 Wochen und dem hier zu sehenden Gesamtergebnis, vor allem in einer doch sehr ländlich geprägten Region und einem 600-Seelen-Dorf, haben alle Erwartungen übertroffen.“, wie Sevinc abschließend sagte.


Foto: René Engmann