Sattelzug stürzt nach schwerem Verkehrsunfall auf A81 um

Main-Tauber-Kreis Verkehrsunfälle

A81/Tauberbischofsheim. Zu einem schweren Verkehrsunfall zwischen einem PKW und Sattelzug kam es am Mittwochabend um 18.45 Uhr auf der A81, 2 km nach der Anschlussstelle Tauberbischofsheim in Fahrtrichtung Heilbronn. Eine 11-stündige Vollsperrung war die Folge.

Audi-Fahrer mit ungeheurer Wucht gegen Sattelzug – Fahrer verliert auf regennasser Fahrbahn die Kontrolle

Ein 44-jähriger Audi-Fahrer kam aufgrund der Witterung nicht angepassten Geschwindigkeit, gepaart mit regennasser Fahrbahn, kurz nach der Taubertalbrücke im dreispurigen Abschnitt ins Schleudern. Dabei verlor der Audi-Fahrer dermaßen die Kontrolle über sein Fahrzeug, was zur Folge hatte, dass dieser nahezu ungebremst frontal auf das Heck eines Sattelzuges auffuhr. Die physikalischen Aufprallkräfte waren trotz des vollbeladenen 40-Tonners und dem Aufstieg der Fahrbahn so enorm, dass wiederrum der 48-jährige Sattelzugfahrer die Kontrolle über sein Gespann verlor, ins Schleudern geriet, umstürzte und über alle drei Fahrspuren samt Standstreifen zum Liegen kam. Der Unfallverursacher kam wenige Meter vor dem Sattelzug mit seinem völlig zerstörten Audi zum Stehen. Die unmittelbar dahinter befindlichen Verkehrsteilnehmer reagierten geistesgegenwertig, bremsten ihre Fahrzeuge ab und wichen nach links und rechts aus. Zu weiteren Unfällen kam es hierdurch nicht mehr.

Ersthelfer kümmerten sich um Verletzten bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte

Unter den unmittelbar dahinter befindlichen Verkehrsteilnehmer befand sich unter den Ersthelfer eine Krankenschwester, die sich sofort um die Erstversorgung der beiden verletzten Fahrer bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte kümmerte. Der 44-jährige Audi-Fahrer wurde in seinem Fahrzeug schwerverletzt, der 48-jährige Sattelzugfahrer erlitt glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Beide Fahrzeugführer waren nicht eingeklemmt.

Hervorragende Rettungsgasse

Ausschließlich lobenswert konnte allen Verkehrsteilnehmer ihr Verhalten angerechnet werden. Von der Unfallstelle bis zum Stauende gab es sofort eine ausreichend breite Rettungsgasse für jegliche Einsatzkräfte. Diese wurde konsequent beibehalten und nicht gleich wieder geschlossen.

Feuerwehr Tauberbischofsheim hatte alle Hände voll zu tun

Als um 18.50 Uhr der Alarm über einen schweren Verkehrsunfall auf der A81 nahe Tauberbischofsheim einging, war dies auch für die Feuerwehrkräfte ein bis zum Eintreffen des Einsatzortes nicht näheres Schadensbild. Bereits auf der Anfahrt zur Einsatzstelle sah man das Ausmaß und forderte sofort Verstärkung an.

Vor Ort stellte sich die Schadenslage eines umgestürzten Sattelzuges, eines schwer beschädigten PKWs und eine mit Dieselkraftstoff übersäten Autobahn heraus. Für die Einsatzkräfte hieß es hierbei Gefahrenabwehr- sowie Sicherung. Hierzu wurde beim PKW das Batteriemanagement abgeklemmt, der Inhalt einer der noch soweit intakten Kraftstofftanks der Sattelzugmaschine abgepumpt sowie Ölbindemittel an wichtigen Punkten – Kanalisation – der Fahrbahn angebracht. Die weitere Kontrolle der Parkplätze und des Regenüberlaufbeckens rückwertig zur Taubertalbrücke bei Distelhausen, waren hierbei ein Muss. Zusammen mit der eingesetzten Bergungsfirma Feuerstein aus Grünsfeld packte man Hand in Hand an, um die 22 Tonnen Ware des Aufliegers zu bergen. Bei der Ware handelte es sich um Getriebeteile für Mercedes GLK eines Automobilzulieferers, die noch an Ort und Stelle in einen bereitgestellten Abfallcontainer wanderten.

Durch den Unfall wurde einer der Kraftstofftanks der Zugmaschine schwer beschädigt. Aus dem beschädigten Kraftstofftank floss eine unbekannte Menge an Diese über alle Fahrbahnen. Durch den anhaltenden Regen verteilte sich das Diesel-Regengemisch auf rund einem Kilometer länge Fahrbahnabwärts. Unvermeidlich war hierbei das Eindringen des verunreinigten Wassers in die Kanalisation noch vor dem eintreffen der Kräfte. Das Umweltamt wurde hinzugezogen; das Regenüberlaufbecken unterhalb der Taubertalbrücke was zugleich Sammelstellte des Abwassers der Autobahn ist, untersucht, und weitere Maßnahmen getroffen. Aus bislang unbekannten Gründen gelang aus dem Regenüberlaufbecken kontaminiertes Wasser in den Fluss Tauber. Aufgrund der Dunkelheit wurde seitens des Umweltamtes der Einsatz abgebrochen und auf den Folgetag verlegt.

Die Freiwillige Feuerwehr Tauberbischofsheim war mit 5 Fahrzeugen und 21 Einsatzkräften vor Ort. Das Deutsche-Rote-Kreuz entsandte einen Notarzt sowie zwei Rettungswagen. Die Polizei Tauberbischofsheim sowie das Verkehrskommissariat waren mit mehreren Streifenwagen und Beamten an Ort und Stelle.

Langwierige Bergung – 11-stündige Vollsperrung

Nachdem der erste Trupp des Bergungsunternehmens eingetroffen war wurde gehandelt. Um die in der Vollsperrung befindlichen Verkehrsteilnehmer zu entlasten, wurde der querliegende Sattelzug mit einem kleineren Kran einige Meter auf die rechte Spur zurückgezogen. Durch dieses Manöver konnte der Standstreifen um Punkt 21.00 Uhr geöffnet werden. Die seit über zwei Stunden in der Vollsperrung stehenden Verkehrsteilnehmer konnten somit die Weiterreise antreten.

Bereits zuvor errichtete die Autobahnmeisterei mehrere Sperrungen auf der Autobahn in Fahrtrichtung Heilbronn. Ebenfalls wurde die Auffahrt der Anschlussstelle in Richtung Heilbronn vollständig gesperrt. Der gesamte Autobahnverkehr aus Richtung Würzburg wurde an der Anschlussstelle Tauberbischofsheim ausgeleitet. Die weiträumige Umleitung des Autobahnverkehrs erfolgte über die B27 an Tauberbischofsheim vorbei zur L578 durch Dittwar, weiter durch die Ortsdurchfahrt Heckfeld auf die K2835 in Richtung Buch am Ahorn. Von dort über die L579 zur Anschlussstelle Ahorn.

In den ersten 2-3 Stunden nach Unfallbeginn staute sich der Verkehr auf mehrere Kilometer zurück. Die B27 sowie weiterer der Umleitungsverlauf waren ebenfalls längere Zeit überlastet. In den zunehmenden Nachtstunden normalisierte sich die Verkehrslage auf Ausgangsniveau.

Die Bergung der gesamten Ware sowie der verunfallten Fahrzeuge verschlang mehrere Stunden und wurde zum größten Teil gemeinsam mit der Feuerwehr Tauberbischofsheim gemeistert. Kurz nach 06.00 Uhr wurde die Anschlussstelle Tauberbischofsheim und der betroffene Autobahnabschnitt zwischen Tauberbischofsheim und Ahorn wieder für den verkehr freigegeben.

Der Gesamtschaden an Sattelzug und beladener Ware sowie des PKW wird auf über 200.000 Euro angegeben.


Fotos: René Engmann