Neue Enthüllungen im Schlachthofskandal von Tauberbischofsheim

Main-Tauber-Kreis

Tauberbischofsheim. Weitere schwere Anschuldigungen gegen Mitarbeiter und Verantwortliche des Tauberbischofsheimer Schlachthofes. Die Welle der Vorwürfe gegen den Tauberbischofsheimer Hynek-Schlachthof der OSI Group reißen nicht ab. Neue Details sickerten durch. Die Vorwürfe wiegen auch hier erneut schwer.

Alkoholprobleme – Betrunkene Mitarbeiter und verstecktes Alkohollager auf dem Gelände

Als im Dezember 2017 ebenfalls ein Tierquälerei-Skandal im sogenannter OSI-Schlachthof im nordrhein-westfälischen Düren an die Öffentlichkeit gelangte, bekamen die Mitarbeiter des Hynek-Schlachhofes in Tauberbischofsheim umgehend eine Nachschulung in Sachen Tierschutz. Zusätzlich wurde ein Mitarbeiter als »Tierschutzbeauftragter« ernannt. Doch zu welchem Preis?

Wie aufgedeckte Recherchen ergaben, waren die Alkoholprobleme im Tauberbischofsheimer Schlachthof bekannt. Ein verstecktes Alkohollager hinter dem Stall des Schlachthofes wurde dabei entdeckt. Jener Mitarbeiter, der als »Tierschutzbeauftragter« ernannt wurde, war bereits mehrfach arbeitsrechtlich aufgrund Trunkenheit am Arbeitsplatz abgemahnt und letztlich gekündigt worden. Kurze Zeit später, aufgrund des Personalmangels an Mitarbeitern, wieder eingestellt.

Ausbeutung und Arbeitszeitverstöße der Mitarbeiter – Ordnungswidrigkeitsverfahren erteilt

Mitte Januar 2018 erhielt das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Arbeitsschutzbehörde Hinweise zu Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz. Bereits am nächsten Tag nach Mitteilung der Hinweise fand eine Kontrolle der Schlachthofverwaltung in Tauberbischofsheim statt. Konkret wurden hierbei die Arbeitszeitdokumentationen der Schlachthofmitarbeiter durchsucht und beschlagnahmt. Wie eine Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart uns heute bestätigte, wurden bei der sorgfältig gesichteten Auswertung, die Vorwürfe bestätigt. Gegen den Betreiber läuft nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Weitere Auskünfte können aufgrund des laufenden Verfahrens jedoch keine erteilt werden.

Maßnahmenkatalog durch Hynek wurde bereits vorgelegt – Schließung bleibt weiterhin aufrecht

Schnell kam man der Aufforderung seitens des Veterinäramtes und Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz nach. Vertreter der Hynek Schlachthof GmbH legten gegenüber den Verantwortlichen des Landratsamtes einen ersten Entwurf des Maßnahmenkataloges vor. Bis zur endgültigen Entscheidung durch das Veterinäramt, des Regierungspräsidium Stuttgart und Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz bleibt jegliche Schlachtung weiterhin untersagt. Obwohl Gerüchte kursierten, dass heute Dienstag wieder geöffnet ist.

Weiterhin in der Prüfung: Die mögliche Verfehlung beim Tierschutz unter Beobachtung eines amtlichen Veterinärs

Wie uns das Landratsamt Main-Tauber-Kreis auf Nachfrage mitteilte, laufen weiterhin Prüfungen gegen amtliches und sonstiges Personal des Landratsamtes. Werden hierbei Verfehlungen beim Tierschutz unter Beobachtung eines amtlichen Veterinärs bestätigt, wird eine konsequent disziplinarische bzw. arbeitsrechtliche Maßnahme die Folge sein.

Podiumsdiskussion für Interessierte am 4. März 2018 in Tauberbischofsheim

SOKO Tierschutz lädt am Sonntag, den 4. März 2018 um 18.00 Uhr alle Interessierte in das Hotel Adlerhof, Bahnhofstraße 17 in Tauberbischofsheim zu einer Podiumsdiskussion ein. Wir haben die verschiedenen Institutionen angefragt, ob ein Erscheinen stattfindet. Das Landratsamt teilte uns mit, dass diese nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen werde. SOKO Tierschutz und der örtliche Tierschutzverein haben bereits ein Kommen zugesagt. Weitere Anfragen zur Teilnahme oder Nichtteilnahme stehen derzeit noch aus.


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Foto: René Engmann